Personal Coaching: Psychologische Beratung hat nichts mit Krankheit zu tun

Personal Coaching: Psychologische Beratung hat nichts mit Krankheit zu tun

Die genaue Abgrenzung zwischen Coaching und Psychotherapie fällt nicht nur dem Laien schwer, auch die Fachleute sind sich nicht einig, wo genau die Grenze zwischen Coaching und Therapie, zwischen Beratung und Heilung genau verläuft.

Auch in der Praxis ist die Abgrenzung im Einzelfall nicht immer einfach: Wenn sich ein Klient z.B. niedergeschlagen fühlt, weil er unter mangelndem Selbstwertgefühl leidet oder sich von seiner Umwelt nicht wertgeschätzt fühlt, könnte dies genauso gut auf eine Depression hindeuten, die von einem Coach nicht diagnostiziert und behandelt werden darf. Solcherart Schwierigkeiten können sich auch bei anderen Themen ergeben. Vor Beginn eines Coachings muss also stets geklärt werden, ob eine entsprechende Diagnose bzw. Erkrankung vorliegt, weil sich der Coach ansonsten nach deutschem Recht strafbar machen würde.

Coaching ist also keine verdeckte Psychotherapie für Manager, auch wenn sich der Coach Methoden aus psychoanalytischen Schulen wie Gesprächsführung, kognitive Verfahren, Kreativitätsübungen, Rollenspiele, u.v.m, benutzt. Prinzipiell richtet sich Coaching an „gesunde“ Personen und widmet sich vorwiegend den Herausforderungen, die aus der Berufsrolle heraus entstehen. Dies kann natürlich mit privaten Anliegen und persönlichen Schwierigkeiten zusammenhängen, Ausgangspunkt sind aber hauptsächlich die mit der „Berufspersönlichkeit“ zusammenhängenden Anliegen, die ohne entsprechendes Fachwissen des Coachs nicht bearbeitet werden können.

Aber neben diesen Gemeinsamkeiten gibt es eben auch Unterschiede zwischen Psychotherapie und Personal Coaching:

Gemeinsamkeiten/Schnittmengen zwischen Coaching und Psychotherapie

Sowohl das Coaching als auch die Psychotherapie können Menschen, die in seelische Notlagen geraten sind, unterstützen. Es gibt einige verbindende Methoden und Erkenntnisse, deren Wirksamkeit sich in beiden Bereichen nachweisen lassen.

Diese sogenannten Wirkfaktoren sind etwa die Ressourcenaktivierung, die Problemaktualisierung, die Unterstützung bei der aktiven Problembewältigung und die Motivationale Klärung.

Hierzu zählen:

  • Ressourcenaktivierung: der Therapeut oder Coach verdeutlicht dem Klienten seine positiven Möglichkeiten, Eigenheiten, Fähigkeiten und Motivationen, damit sich dieser seiner Stärken bewusst wird.
  • Problemaktualisierung: die Gesprächsführung wird so gestaltet, dass der Klient z. B. problematische oder belastende Erfahrungen und Emotionen in der Sitzung erneut erlebt. Diese fasst der Coach (oder Therapeut) gemeinsam mit dem Klienten in Worte und macht sie damit „greifbar“ und lösbar.
  • Unterstützung bei der aktiven Problembewältigung: hier macht der Klient zunächst im Gespräch die Erfahrung, dass er anstehende Herausforderungen oder Probleme aus eigener Kraft bewältigen kann, die ihm bisher als nicht lösbar erschienen sind. Anschließend kann und soll er Problemlösungen mit steigendem Schwierigkeitsgrad eigenständig in der Praxis ausprobieren.
  • Motivationale Klärung: dabei hilft der Therapeut oder Coach dem Klienten seine bewussten oder unbewussten Motive, Ziele und Werte klarer zu sehen. Dies fördert das Verständnis dafür, warum der Patient sich so verhält und so empfindet und nicht anders.

Unterschiede/Abgrenzung zwischen Psychotherapie und Coaching

Natürlich lässt sich Coaching unter dem Oberbegriff der Beratung einordnen, aber Coaching ist primär eine Prozessberatung und keine Fachberatung – ein Coach kann und wird keinen Steuerberater, Rechtsanwalt oder EDV-Berater ersetzen.

Dennoch wird der Coach praktisch immer auch als fachlicher Ansprechpartner bei bestimmten Anliegen gesehen und um Ratschlag oder eine persönliche Stellungnahme gebeten.

Im Gegensatz zur Psychotherapie ist ein Coaching also keine Heilbehandlung, sondern eine Kombination aus persönlicher Begleitung und Beratung sowie der Unterstützung bei der Problembewältigung. Der Coach ist streng neutral, begleitet lediglich den Prozess und gibt Feedback(s). Er unterstützt den Klienten dabei, eigene Lösungen zu entwickeln und im Alltag umzusetzen. Coaching ist also eine systematische „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Fazit: Warum ein Coaching keine Therapie ist

Coaching bietet also Lösungsansätze, um adäquat auf Schwierigkeiten und Hindernisse reagieren zu können.

Der Coach unterstützt dabei die Lösungs-Kompetenzen seines Klienten mit der Absicht, die Entwicklung der Persönlichkeit des Coachees gezielt zu fördern.

Des Weiteren soll der Klient durch ein Coaching dazu befähigt werden, die im eigenen Einflussbereich stehenden Veränderungspotentiale optimal auszuschöpfen. Im Coaching wird ein Zugang zu den eigenen Potentialen hergestellt, damit der Klient beispielsweise erfolgreich die eigene Zukunft gestalten oder mit anderen Menschen vertrauensvolle Beziehungen aufbauen kann.

Konflikte können durch Coaching konstruktiv gelöst werden und der Klient kann lernen seine Sprache zielgerichtet und lösungsorientiert einsetzen. Auch Versagensängste und Lebenskrisen können überwunden werden.

Trotzdem kann nicht oft genug betont werden, dass Coaching zwar helfen kann, auch seelische Notlagen zu beheben, es aber niemals geeignet ist, psychische Erkrankungen zu heilen – und im Umkehrschluss bedeutet es auch, dass man nicht „krank“ sein muss, wenn man sich von einem Coach „Hilfe zur Selbsthilfe“ holt.

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