Wie Umwelteinflüsse unsere geistige Kapazität beeinflussen

20. Januar 2021
Von: Andy Griesbach

Wir alle kennen dieses Szenario: Ein anstrengender Tag im Büro – aktuell dem Homeoffice – und wir müssen noch schnell Einkaufen gehen. Doch wo habe ich meine Schlüssel hingelegt? Trotz Schlüsselbrett, also einem fixen Ort für den Schlüssel, ist dieser schon wieder spurlos verschwunden. Die lustigsten Orte haben wir schon gehört, wo Bekannte, Freunde und auch wir selbst schon Schlüssel gefunden haben – auf der Waschmaschine, im Kühlschrank, noch immer von außen im Schloss, auf dem Autodach vergessen, …

Doch was passiert da mit uns? Sind wir schon alle vergesslich geworden? Leiden wir eventuell an Demenz? Kurzum: Nein!

Um zu verstehen was hier gerade passiert ist, müssen wir uns mit unserem „Gedächtnis“ befassen. Das ist gar nicht so trivial wie es klingt, denn unser Gedächtnis funktioniert als Abfolge von drei Prozessen, der Enkodierung, der Speicherung und dem Abruf des gespeicherten Inputs. „Vergisst“ man die Position des Schlüssels im Haus, kann dies mehrere Ursachen haben. Beispielsweise wurde der Ablageort des Schlüssels nicht beachtet – ihm wurde also keine Aufmerksamkeit geschenkt und die Information ist gar nicht oder fehlerhaft enkodiert worden. Aufgrund äußerer Umstände, wie beispielsweise Stress, kann die Position nicht mehr aus dem Gedächtnis abgerufen werden. Was tun wir also? Wir beginnen wie wild zu suchen, gehen die Wege seit unserer letzten Schlüssel-Begegnung nochmal ab und sind erstaunt, dass uns dann recht häufig wieder einfällt, wo wir ihn hingelegt haben.

Der Grund für die erhöhte Erfolgsquote beim Auffinden des Schlüssels durch die Rückkehr an den Ausgangspunkt (Beispielsweise den ersten Punkt nach dem Betreten der Wohnung) hängt am Abrufprozess des Langzeitgedächtnisses. Dieser kann in drei verschiedenen Arten stattfinden. Entweder komplett frei als Reproduktion, per hinweisgestützte Reproduktion oder per Wiedererkennung. Die Wiedererkennung funktioniert in der Regel deutlich besser als die freie Reproduktion. Bringt man sich selbst nun in den richtigen Kontext – also die gleiche Umgebung – erhöht sich die erfolgreiche Abrufwahrscheinlichkeit deutlich und funktioniert in diesem Fall als hinweisgestützte Reproduktion sogar noch besser als die Wiedererkennung. Es wird durch die räumliche Situation versucht eine Übereinstimmung zwischen Enkodier- und Abrufkontext herzustellen, um einen verbesserten Gedächtnisabruf aus dem Langzeitgedächtnis zu erstellen.

Das gilt aber nicht nur für den Schlüssel! Wir sind im ähnlichen und gleichen Kontext zwischen Enkodierung und Abruf – also beispielsweise ähnlichen Umweltgegebenheiten – erwiesenermaßen besser, diese Prozesse fehlerfrei ablaufen zu lassen.

Ein Vorteil beim Arbeiten und auch beim Lernen, wenn man mit diesem Wissen richtig umgeht!

Ein ständig wechselndes Büro-Setting durch ständig wechselnde Arbeitsplätze (wie es bei einigen Konzernen schon der Fall ist), unterschiedliche Lautstärken, Licht- und Geräuschpegel sowie Gerüche können neben Stress, Druck und Angst einen weiteren negativen Einfluss auf unsere Leistungsfähigkeit haben. Gerade als Führungskraft gilt es deshalb, neben einer wertschätzenden Kultur und Arbeitsatmosphäre, auch ein entsprechend stabiles und verlässliches Setting am Arbeitsplatz herzustellen.

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