Die drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Wirtschaft und Soziales

18. August 2022
Von: Andy Griesbach

Das 3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

Das Modell der drei Säulen der Nachhaltigkeit ist ein Maßstab, anhand dessen Staaten, Organisationen und Unternehmen Leitlinien für nachhaltiges Handeln formulieren können. Entwickelt wurde dieses Modell bereits in den 1990er Jahren; eine Enquete-Kommission des deutschen Bundestages griff das Modell 1998 auf und beim Weltgipfel in Johannesburg 2002 wurde es erstmals als Maßstab für Nachhaltigkeit in internationalen Verträgen verwendet.

Das Drei-Säulen-Modell basiert auf der Vorstellung, dass eine nachhaltige Entwicklung nur zu erreichen ist, wenn umweltbezogene, wirtschaftliche und soziale Ziele gleichzeitig und gleichberechtigt umgesetzt werden, wobei sich die verschiedenen Ziele gegenseitig bedingen. Auf diese Weise soll die ökologische, ökonomische und soziale Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft sichergestellt und verbessert werden.

Die drei „Säulen“ oder Dimensionen der Nachhaltigkeit sind demnach:

  • Ökologie
  • Soziales
  • Ökonomie

Was aber wird jeweils unter ökologischer, ökonomischer oder sozialer Nachhaltigkeit verstanden? Der folgende Abschnitt definiert kurz jede der drei Dimensionen und ihre jeweiligen Implikationen auf unternehmerisches Handeln.

Die Ökologie-Säule

Ökologische Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines Systems, beispielsweise den in der Natur vorkommenden Ressourcen, in einer Weise, dass dieses in seinen wesentlichen Eigenschaften dauerhaft erhalten bleiben kann.

Das Modell geht davon aus, dass die Menschheit ohne einen bestimmten quantitativen und qualitativen Zustand von Natur und Ökosystemen nicht überlebensfähig ist und dass Abbau von Rohstoffen, Umlenkung von Stoff- und Energieströmen, Landschaftsumwandlung oder Bodenversiegelung eine ökologische Verminderung stattfindet und in gewissen Bereichen, wie z.B. Überfischung der Meere, Schmelzen der Polkappen, kontinuierliche Abholzung und Brandrodung von Waldgebieten bereits ein Stadium der Übernutzung erreicht ist. Problematisch ist dabei die Geschwindigkeit menschlich bedingter Veränderungen, z.B. können Bäume nicht schnell genug der klimabedingten Verschiebung von Vegetationszonen folgen.

Ökologische Nachhaltigkeit bedeutet also, Umwelt und natürliche Ressourcen zu schonen und so zu nutzen, dass diese langfristig erhalten bleiben. Im unternehmerischen Kontext bedeutet dies, dass nur so viele nicht-nachwachsende Rohstoffe der Erde entnommen werden dürfen, wie durch erneuerbare Rohstoffe ersetzt werden können und Emissionen so geringgehalten werden, dass sie ausgleichbar sind oder keine Schäden anrichten.

Die Säule Soziales

Soziale Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines Systems oder einer Organisation durch den Menschen in einer Weise, dass dieses in seinen wesentlichen Eigenschaften dauerhaft erhalten bleibt und sein personeller sowie gesellschaftlicher Fortbestand gesichert ist. Dabei spielen folgende Aspekte eine Rolle: Soziale Gerechtigkeit und der Abbau der Kluft zwischen Arm und Reich, die Verteilungsprobleme zwischen Regionen, sozialen Schichten, Geschlechtern und Altersgruppen, die u. a. zu Zwangsmigration führen und die Ökonomien und Gesellschaften ganzer Staaten und Regionen zerschlagen können. Positiv formuliert fordert die Säule „Soziales“ Gerechtigkeit, Sicherheit, Zugang zu guter Bildung, faire Bezahlung, die Wahrung von Arbeitnehmer*inneninteressen sowie die Möglichkeit zur freien beruflichen Entfaltung.

Gerade in Unternehmen wurde soziale Nachhaltigkeit bislang häufig vernachlässigt und unterbewertet. Sie erfährt aber zunehmend Aufmerksamkeit durch soziale Innovationen wie z.B. soziale Netzwerke (Erfolg von Facebook), Kooperationen, strategische Allianzen, Fachkräftemangel, Humankapitalaufwertung und bietet nachhaltig operierenden Unternehmen einen nicht zu unterschätzenden moralischen und innovativen Wettbewerbsvorteil.

Die Säule Ökonomie

Die Kernaussage der klassischen ökonomischen Wachstumstheorie ist, dass eine
Steigerung des Pro-Kopf-Wachstums langfristig nur durch technischen Fort-
schritt möglich ist. Wenn aber technischer Fortschritt kapital- und arbeitsvermehrend ist, die Produktivität natürlichen Kapitals aber nicht, dann muss es langfristig zu einer Überlastung, Übernutzung und Überstrapazierung der natürlichen Ressourcenbasis kommen. Die Säule ökonomische Nachhaltigkeit fordert ein nachhaltiges Wirtschaften – Gesellschaft und Unternehmen müssen sich so verhalten, dass kommenden Generationen kein Schaden entsteht.

Natürlich müssen Unternehmen Gewinne erzielen, um ihren langfristigen Fortbestand zu sichern. Investitionen in moderne Maschinen, hochwertige Rohstoffe, faire Bezahlung von Mitarbeiter*innen und Fortbildungen sind von immenser Bedeutung. Reine Profitmaximierung darf hingegen nicht das einzige unternehmerische Ziel sein. Unternehmen müssen vielmehr langfristig operieren und vermehrt in fairen Handel, Umweltschutz und gesteigerte Lebensqualität investieren.

Fazit

Das Drei-Säulen-Modell als Maßstab zur Bemessung ist nicht unumstritten, allerdings existiert bisher kein tiefgreifenderer Ansatz, die sich in Politik und Wissenschaft als innovativer Ersatz durchgesetzt hat. Die Frage, wie Unternehmen diesen Ansatz operationalisieren können sowie eine isolierte Betrachtung der drei Einzelbereiche stehen dabei im Fokus der Kritik. Somit bleibt festzustellen, dass das Modell eine solide Basis für fast alle Definitionen einer nachhaltigen unternehmerischen Entwicklung bildet und Unternehmen einen weitreichenden Blick auf diese Dimensionen haben müssen. Mit Hilfe des „integrierten Nachhaltigkeitsansatz“, als Erweiterung des ursprünglichen Drei-Säulen-Modells, können die Themenbereiche noch tiefgreifender und vernetzter betrachtet werden.

Und Nachhaltigkeit bleibt auch in Zukunft ein wichtiges Thema – besonders für Unternehmen. Längst ist klar, dass Nachhaltigkeitsmanagement eine Vielzahl an Vorteilen wie Steigerung der Effizienz, größeres Innovationspotential, größere Beliebtheit bei Investoren, bessere Befriedigung von Kundenwünschen sowie motiviertere Mitarbeiter*innen mit sich bringt. Wir müssen deshalb verstehen, dass eine Transformation zu einem nachhaltigeren Geschäftsmodell keine Einschränkung bedeutet, sondern die Chance auf ein neues Wirtschaften bietet, welches nicht auf Kosten der zukünftigen Generationen basiert.

Wenn auch Sie Ihr Geschäftsmodell beleuchten möchten und nachhaltiger werden wollen, dann kontaktieren Sie mich gerne. Ich helfe Ihnen gerne im Transformationsprozess und unterstütze Sie bei der Planung und Umsetzung.

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